Zählweisen

Punkte in Spielformen machen Spaß und die Trainierenden wollen gewinnen. Neben der konventionellen gibt es weitere Zählweisen, die einen zusätzlichen Trainingsanreiz darstellen. Dazu zählt auch Sonderpunkte zu vergeben, z.B. ein geblockter Ball zählt zwei Punkte. Wir wollen hier ein paar unserer Favoriten vorstellen.

Wir verwenden die Begriffe Punkt: Der Punkt, der auf der Punktetafel gut geschrieben wird und Ballpunkt: Der Punkt, der in einem Spielzug gemacht wird.

“Who is the killer?”

Beschreibung:

Das Spiel beginnt bei einem Spielstand 22:24 (Satzgewinn-4:Satzgewinn-1). Team A beginnt mit 22 Punkten und bekommt Dankebälle eingeworfen und die Punkte werden ausgespielt. Das verlierende Team erhält eine Strafe. Hat das Team mit 22 Punkten gewonnen, geht die nächste Runde auf 21:24 für dasselbe Team. Ansonsten Wechsel.

Ziel:

Selbst in Drucksituationen die Nerven zu behalten und fehlerfrei zu agieren. Erfolgreiche Umsetzung des ersten Angriffs.

Erfahrung:

Teams haben einen Grenze, z.B. bei 21:24 kämpft sich das Team noch durch, bei 20:24 produziert es Fehler, oft im ersten Ball.

Warum heißt die Zählweise so?

Weil ein Teil der Übung darauf beruht, die Nerven zu behalten und eine weitere Anforderung ist, dass der Zuspieler seine stärksten und sichersten Angreifer (den “Killer”) einsetzt.

“Ramp Up”

Beschreibung:

Es wird bis 10 Punkte gespielt. Ganz normales Spiel, Team A gegen Team B. Der 1 Ballpunkt zählt 1 Punkt, der zweite Ballpunkt 2 Punkte, der dritte 3, usw.

Ziel:

Jeder Ball wird wichtiger und wichtiger. Agieren in Drucksituationen verbessern.

Erfahrung: Am Anfang wird das Spiel eher so hingenommen, erst bei der zweiten dritten Runde wird wirklich Qualität auf die hoch-bewerteten Bälle gelegt. Die Spieler agieren zunehmend sicherer.

Variante:

Bei Aufschlagsstarken oder Annahmeschwachen Teams den Aufschlag nur von einem Team durchführen lassen. Erhöht den Druck.

Warum heißt die Zählweise so?

Kommt aus dem technischen Englisch und bedeutet “Hochfahren” (von Maschinen).

“Poker”

Beschreibung:

Team A bekommt den Aufschlag / Annahme, je nach Stärke des Teams. Es kann mit dem ersten Ballpunkt 1 Punkt machen, mit dem zweiten Ballpunkt 3..6..10.. Also kumulativ. Verliert das Team einen Ballpunkt sind alle kumulativen Punkte weg. Team A kann entscheiden die Punkte “mitzunehmen”, dann bleiben die Punkte erhalten und Team B bekommt die Möglichkeit Punkte zu machen. Zielpunktzahl (z.B. 25) festlegen.

Ziel:

Bereit sein Risiken einzugehen, aber nicht zu übertreiben. Team-Work

Erfahrung:

Am Anfang gibt es die Teams, die nach einem Punkt abgeben und den sicher mitnehmen. Andere pokern sich erstmal hoch und verlieren regelmäßig alles. Das ist eine Selbsterfahrung, wo die eigene Grenze ist. Wenn der Trainer dann eine Zeitgrenze setzt, werden alle schnell vernünftig und riskieren nicht mehr alles.

Warum heißt die Zählweise so?

Weil die Teams pokern, man kann in einem Zug alles gewinnen, aber der Einsatz ist hoch…

“Double In”

Beschreibung:

Team A beginnt bei Satzgewinn-2xN (z.B. 13), Team B bei Satzgewinn-N (dann 19). Team A wählt Aufschlag / Annahme. Team A bekommt pro Ballpunkt zwei Punkte, Team B bekommt pro Ballpunkt einen Punkt.

Ziel:

In Druck-Situationen fehlerfrei handeln, auf die eigene Handlung unabhängig vom Spielstand zu konzentrieren.

Erfahrung:

Zu Beginn des Spiels sehen die Teams das Spiel entspannt. Dadurch, dass Team A schnell aufholt, fühlt sich Team B unter Druck gesetzt und Team A bekommt schnell Antrieb. Obwohl die Zählweise bekannt ist, führt es doch zu vielen Fehlern in Team B. Das gibt viel Raum für Verbesserungen und Motivation.

Warum heißt die Zählweise so?

Weil Team A doppelt so viele Punkte pro Ballpunkt macht und schneller in das Spiel findet.

“Countdown”

Beschreibung:

Beide Teams beginnen bei ca. 10 Punkten. Normales Spiel, normale Wertung nur es wird runter gezählt, bis das erste Team 0 hat. Die Differenzpunktzahl (N) zwischen den Teams wird als Strafmaß für das “Verliererteam” verwendet (z.B. Nx3xBurpys).

Ziel:

Fehlerminimierung

Erfahrung:

Da die Teams gegen ihre eigene Strafe arbeiten, werden die Fehler minimiert.

Warum heißt die Zählweise so?

Weil man runterzählt und die Athleten danach wie die Raketen abgehen.

“Big Point”

Beschreibung:

Team A spielt gegen Team B. Team A wählt Aufschlag / Annahme. Entsprechend wird der erste Ball mit Aufschlag eingebracht. Das Team, dass den Ballpunkt gemacht hat, bekommt einen Dankeball. Insgesamt sind 2 aus 3 oder 3 aus 5 Punkte für einen “Big Point” zu machen.

Ziel:

Konzentration und Ausdauer um im eigenen Spiel die Qualität hochzuhalten.

Erfahrung:

Die Spieler kommen mit dem Zählen nicht so gut klar. Der Trainer muss zählen. Bei geeigneter Zielsetzung (Strafe oder positive Verstärkung) wird das Spiel besser verstanden und umgesetzt.

Variante:

Dankeball an das Team, dass den letzten Ballpunkt verloren hat. Macht das Spiel spannender, aber auch anstrengender einen “Big Point” zu erreichen. Führt manchmal zu Frustration.

Warum heißt die Zählweise so?

Weil einzelne Punkte nichts zählen, erst wenn sie zusammen einen “Big Point” ergeben.

Open Visor

Beschreibung:

Nur eigene, hart angegriffene Bälle, die einen direkten Bodenkontakt oder vom Block ins Aus gehen, zählen als Punkte. Damit nicht unsinnig viele Aufschläge mit hohem Risiko verschlagen werden, werden die Bälle als Dankebälle abwechselnd für beide Teams eingeworfen.

Ziel:

Hohes Risiko im harten Angriff fordern. Dadurch werden die Athleten sicherer im harten Angriff.

Erfahrung: 

Lässt sich nicht sehr lange spielen, da das Angreifen mit Maximal-Kraft immer nur eine Weile geht. In der Zeit kommen die Athleten aber gut an ihre Grenzen und lernen in diesem Bereich sicherer zu werden.

Weitere Anregungen sind immer gerne willkommen, also meldet euch, wenn ihr eine interessante Zählweise habt und die teilen möchtet!

Bestrafungen / Belohnungen

Ganz kurz hier etwas zum Thema Bestrafungen / Belohnungen. Oft wollen wir den Druck erhöhen, indem wir z.B. die Differenzpunktzahl als Strafübungen nutzen. Das sollte mit Vorsicht eingesetzt werden, weil

a) die Verlierer noch mehr frustriert werden und es da eine Grenze gibt

b) die Verlierer automatisch eine höhere Belastung fahren, was sich bei Wiederholung der Übung bemerkbar machen kann. D.h. die Verlierer verlieren wieder

c) das die Freude am Sieg nicht unbedingt steigert, sondern eher ein „Puuh, ich bin davon gekommen“ erzeugt.

Eine sehr vorsichtig einzusetzende Strafe ist die Team-Ausschluss-Strafe. Die meisten Teams kommen nach einem Ballpunkt in der Mitte des Feldes zusammen. Wurde der Ballpunkt verloren, muss der Spieler, der den Fehler gemacht hat, sich mit dem Gesicht nach außen in den Kreis stellen und keiner darf mit ihm reden. Nicht bei Kindern anwenden!

Belohnungen helfen da mehr, sind aber schwieriger einzusetzen. Eine Möglichkeit ist die „Naschi-Zählweise“: Es gibt 12 Dankebälle für beide Teams (6 gegen 6) und genau so viele(teilbare) Süßigkeiten, z.B. Kinderriegel (nein, wir unterstützen Ferrero nicht). Nun wird für jeden nicht im ersten Angriff umgesetzten Ballpunkt ein Kinderriegel abgezogen. Das führt dazu, dass a) die Athleten sich wirklich anstrengen und b) der Teamzusammenhalt sich verbessert, da sie nachher teilen müssen.

Mein Deutschlehrer sagte immer: “Jeder Satz endet mit einem Punkt und es ist besser diesen selber zu machen.”